Mauerwerk

Der älteste Teil der Kirche ist die halbrunde Apsis, die, seitwärts eingezogen, die Ostmauer schließt. Sie hat die für die Frühzeit typischen kleinen, rund überwölbten Fenster mit den sich weit öffnenden Laibungen. Westwärts schließt sich der Chor an. Die Mauern ähneln denen der Apsis, nur sind hier mehr Sichtflächen rechteckig. In der Nordmauer des im Vergleich zum Chor breiteren Schiffes blieben alle Fenster rundbogig. Am oberen Teil der Mauer erkennt man eine frühere, niedrigere Giebellinie. Darüber ist die Mauer mit Backsteinen aufgehöht und durch fünf Blendnischen gegliedert.

Die 140 cm dicken Mauern bestehen in der Außenschicht aus gespaltenen Findlingen. In der älteren Bauphase wurden diese an der Sichtfläche nur geglättet. Für Weiterbau und Reparatur schlug man diese später noch rechteckig zu, so dass sie wie Quader aussehen und auch mehr Standfläche erhielten. Das letzte Bauglied der Kirche ist der Westturm, dessen Ostmauer dem Schiff als Westmauer dient. Im unteren Viertel ist diese Mauer fast drei Meter stark. Eiserne Anker in Nord- und Südmauem von Chor und Schiff dienen der Stützung des Mauerwerks.

Glockenturm

Der Torturm, an dem jetzt der Weg zur Kirche vorbeiführt, wurde gegen Ende des 15. Jahrhunderts aus Backsteinen gebaut. Der aus Osnabrück stammende Meister Johann Frese hat die beiden Glocken 1503 und 1507 gegossen.

Grabsteine und Gedenkstätten

Besonders die sieben Grabstelen aus Obemkirchner Sandstein aus dem 17. bzw. 18.Jahrhundert östlich des Eingangsweges fallen ins Auge. Nahe der Kirchentür steht ein unten abgebrochener Grabstein, dessen Inschrift als einzige der über 440 Stelen dieses Zeitraums im Oldenburger Land vollständig in Plattdeutsch ausgeführt ist. Die Familie des verstorbenen GERDT HENNINGES aus Mansholt - gekennzeichnet durch ein kleines Kreuz - ist unter dem gekreuzigten Christus kniend dargestellt. Er verunglückte am 20. Juni 1634 "Bi INFALING UNSES NIE UPGERICHTETEN SIELES BI DER WAPEL DERMATE BESCHEDIGET DAT HE SINEN GEIST UPGEF".

Besondere Grab- und Gedenkstätten finden sich vor dem Friedhof für Soldaten der Kriege 1870/71, 1914-18, 1939-45 und auf dem nordwestlichen Friedhofsteil ein Grab für 11 russische und polnische, sowie nordöstlich 13 Gräber für deutsche Kriegstote.

 

Innenraum Chor

Altar

Den Flügelaltar überragt um 120 cm ein Kruzifix mit Kleeblattformen an den Balkenenden. Es dürfte als Vortragekreuz bei Prozessionen gedient haben. Das große Mittelfeld und 12 Seitenfelder des Altars zeigen die Passion und Auferstehung Jesu Christi in der Reihenfolge:

1 2 3 9 7 8 10
4 5 6 11 12 13

Durch eine Beobachtung des langjährigen Pfarrers A.W. Schmidt ist die Schnitzarbeit als weitgehende Nachempfindung einer Kupferstichpassion von Albrecht Dürer von 1508 erkannt. Ab 1512 war diese auf dem damaligen "Markt" in Umlauf, so dass sich die Entstehungszeit des Wiefelsteder Altars auf die Zwanziger Jahre des 16. Jahrhunderts eingrenzen lässt, denn mit dem Einsetzen der Reformation wurden sicher keine neuen Bildaltäre angeschafft.

Die Darstellungen im einzelnen:

  1. "D.GAR.BETING." (Matth 26,36ff)
  2. "D.GEFANNUNG." (Matth 26,47ff)
  3. "D.VERKLAGUNG." (Matth 26,57ff; 27,2ff)
  4. "D.GEISSELUNG." (Joh 19,1 ff)
  5. "D.KRÖNNUNG." (Matth 27,28fl)
  6. "D.WELCH EIN MENSCH." (Joh 19,5)
  7. "D.AFWASSCHUNGE P.L." (Matth 27,24) (P.L.= Pilatus, Landpfleger?)
  8. "D.CRUCEDRAGT." (Joh 19,7; vgl. aber Mt 27,32)
  9. "D. CRUZIGUNG CHRISSTY." (Mt 27,31-56)
    (1669 = Datum einer späteren, erneuten Bemalung)
  10. "D.AFNEHMUNG.' (Joh 19,38)
  11. "D.GRAFTLEGGUNG." (Joh 19,41)
  12. "D.NIDERFART D. HLLE." (Mt 16,18; Off 1,18; 1 Kor 15,22).(= zur Hölle)
  13. "D. AUFFERSTEHUNG." (Mt 27,62ff)

Abendmahlsbild

Aus dem 17. Jahrhundert stammt das Abendmahlsbild, das 2013 wieder seinen Platz an der Predella, dem Bereich zwischen Altartisch und Altaraufsatz, erhalten hat. Der Maler des Bildes ist unbekannt. Die Vorlage war eine Arbeit von Peter de Witte, genannt Candidus (geb. 1548 in Brügge, gest. 1628 in München) bzw. eine Kupferstichkopie von J. Sadeler aus dem 17.Jahrhundert, wie es auch beim Abendmahlsbild in Oldenburg-Osternburg der Fall ist.

Gestühl

An der Nordwand des Chores steht der "Stuhl" der Landesherrschaft, wie er in jeder Pfarrkirche vorhanden sein musste. Das dänische Wappen mit zwei Schwänen als Wappenhalter, sowie das Monogramm Christians Vl. (1730-1746) zeigen seine Herkunftszeit an. Aber auch lokale Herrschaften, Amtsleiter oder 1870 noch ein Gutsbesitzer hatten diesen Stuhl inne. Gegenüber steht ein entsprechender Stuhl mit der Jahreszahl 1732 im Gitterwerk, der den Kirchjuraten (früher 'Gemeindekirchenrat') vorbehalten war. Die Monogramme weisen auf die Juraten Frerichs und Mienen. Ein heute verschwundener ehemaliger Beichtstuhl diente noch 1870 hinter dem Altar als Sakristei.

Innenraum Schiff

Johannesfigur

Zum 900. Jahrestag der Kirchweihe 1957 schenkte der Gemeindekirchenrat eine Statue, die in der Nordostecke des Schiffs auf einer Konsole steht. Johannes der Täufer zeigt auf das Gotteslamm Christus Die Johannesfigur entstammt der Werkstatt des Zeteler Holzbildhauers Wilhelm Kunst (geb. 8. August 1909, gest. 13. Januar 1986).

Steinsargdeckel

Die in rhomboider Form zugehauene Platte an der nordwestlichen Wand des Bogens vor dem Chor besteht aus rötlichem Sandstein von der Oberweser. Entstanden wohl zu Beginn des 12. Jahrhunderts lag sie ursprünglich vor dem Altar und ist das älteste Werkstück in der Kirche.

Kanzel

Die Kanzel wurde laut Kirchenrechnung 1644 von Meister Gert Borkemann (Oldenburg) angefertigt. In flachen Bogennischen stehen die Figuren der Evangelisten mit ihren Attributen. Das Innere des Schalldeckels hat an den Ecken plastische Blütenformen, Arabesken und einen Stern in der Mitte. Den Aufbau bilden Engelsköpfe wie auch an den Außenseiten des Kanzelbodens. Über dem von einem Engefskopf gekrönten Aufgang zur Kanzel steht wohl einzigartig das Stoßgebet der Predigerin/des Predigers: "0 HERR LAS WOL GELINGEN." (Ps 118,25).

Wandgemälde

Bei der jüngsten Renovierung 1980 wurden Bemalungen verschiedener Perioden festgestellt. Man entschloss sich eine blaue Bemalung der Gewölberippen, vermutlich aus dem ersten Drittel des 9.Jahrhunderts, wiederherzustellen und mit einem roten Bogenmuster zu begleiten.

In der Nordwand des Bogens vor dem Chor befindet sich eine gotische Wandmalerei, auf das Ende des 14. Jahrhunderts geschätzt. Sie wurde 1957 von Hermann Oetken - leider mit Verschiebungen - erneuert. Jesus hängt mit geneigtem Kopf, überstreckten Armen und von Blut spritzenden Wunden an einem Kreuz, dessen Balken gleich lang sind. Darunter stehen Maria und Johannes, außen Petrus mit Schlüssel und Paulus mit Schwert und Buch. Die Wandnische darunter, die durch ein Gitter aus schmiedeeisernen, mit Blüten besetzten Bändern geschlossen wird, diente vermutlich der Aufbewahrung von Altargerät

Inschrift

Über dem Chorbogen findet sich, umkränzt und bekrönt mit einer Ehrenkrone (Off 2,10) der Name des Pastors Ernst Wilhelm Baars. Er wirkte hier 1820 - 1837, "vielgerühmt" als Vorstand der landwirtschaftlichen Gesellschaft.

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